Seokomm Recap 2017

Uschi und Oliver Hauser haben auch dieses Jahr wieder zur SEOkomm nach Österreich eingeladen. Wie jedes Jahr folgen wir dieser Einladung gerne. Warum? In den letzten Jahren war die Konferenz top geplant, gut strukturiert und voller interessanter Sessions erstklassiger SEOs/Onliner auf der Agenda. Abgesehen davon wirbt die SEOkomm zurecht mit dem Claim „Konferenz mit Herzblut“. Wer die Veranstalter ein wenig kennt, der weiß, dass dies keine leeren Worthülsen und Versprechen sind. Organisatorisch stimmte hier wirklich alles und war liebevoll bis ins letzte Detail geplant.

Eröffnung und Keynote

Fast schon traditionell eröffnete Tobias Fox in seiner Paraderolle als Moderator die Konferenz. Hierauf folgten einige Worte von Uschi und Oliver, bevor Marcus Tandler – ebenfalls traditionell – die Keynote zum Thema „Position Zero“ (=direkte Antwort in den SERP), oder besser gesagt das 420 Slides umfassende Gewitter auf uns losließ.

Gewohnt kurzweilig und unterhaltsam erzählte er zunächst vom eigenen Relaunch (von onpage.org zu ryte.com) im Sommer, die Bedeutung der CTR und wie diese in der Search Console interpretiert werden muss. Spannend dabei ist, dass er zur Bedeutung der CTR bereits 2009 auf Konferenzen sprach, seinerzeit belächelt wurde und sich seine Prognose nun zunehmend als richtig erweist.

Nach einem Exkurs in die Search Console ging es mit einem näheren Blick auf aktuelle Google Entwicklungen weiter. Stichworte wie „Fake News“, „Bezahlmodelle“, „Pagespeed“, „AMP“ und „mobile first“ fielen in diesem Zusammenhang, bevor Tandler abschließend einen spannenden Ausblick gab. Dabei stellte er die zukünftige Bedeutung der URL infrage und ging auf die Google Cloud ein. Ist „Google Cloud indexing“ das neue Buzzword? Schließlich pusht Google die Clouddienste, die Google ermöglichen würden, die komplette Customer Journey zu sehen und auszuwerten.

Alles in allem ein spannender Vortrag, der Raum für Spekuationen lässt und dazu anregt, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Chapeau!

Sebastian Erlhofer – Datenorientiertes SEO mit Fokus auf die Google Search Console

Der vielleicht beste Vortrag der SEOkomm, jedenfalls aber ein sehr praxisorientierter, kam von Sebastian Erlhofer. Schon Marcus Tandler ist näher auf die Google Search Console eingegangen, aber auch bei Erlhofer spielte sie eine wesentliche Rolle. Dabei ging er davon aus, dass „Big Data“ als Buzzword in aller Munde ist, viele Unternehmen aber gar nicht über eine ausreichend große Datenbasis als Grundlage verfügen. Als logische Konsequenz dessen weist er darauf hin, dass auch ohne Big-Data genug Daten und somit Hausaufgaben zu erledigen sind. Dabei denkt er an meist vorhandene Datenquellen wie die Google Search Console, Analytics, eigene Crawls und Logfiles. Diese Quellen gilt es zu nutzen und zu aggregieren.

Einige Takeaways:

  • tägliche 1000-URL-Grenze in der GSC beachten, ggf. zusätzliche Properties für einzelne Ordner anlegen
  • Daten regelmäßig (am besten täglich) exportieren und speichern
  • Nicht nur die Rankings beachten, sondern auch die CTR, da bei Erhöhung der CTR und gleich gebliebenen Rankings mehr Traffic zu verzeichnen ist
  • Snippet-Optimierung zur CTR-Erhöhung durchführen, geht teilweise schneller als Rankingverbesserung
  • Doppelrankings durch Optimierung einer URL bei gleichzeitiger Deoptimierung der anderen rankenden URL vermeiden

 

Karl Kratz – Blumento-Pferde per Sprachsuche bestellen

Gut gelaunt führte Karl Kratz durch die Möglichkeiten und Fallstricke der Voice Search via Siri, Alexa und Cortana. Wer häufiger mal in Karls Vorträgen sitzt, weiß, dass er gerne die Synapsen der Zuhörer (über-)strapaziert. Dieses Mal richtete sich sein Vortrag allerdings an Einsteiger, weshalb das dieses Mal weitgehend ausblieb. Dafür schenkte er fast versehentlich Geld via Alexa an bedürftige Social Media Experten und stand kurz vor der Anschaffung eines Dildos bzw. Vibrator (mit dem Begriff „Dildo“ konnte Alexa nicht viel anfangen).

Natürlich gab es auch hier einige Takeaways, unter anderem:

  • Telefonate und Navigation sind die häufigsten Anwendungsfälle der Sprachsuche
  • Bei der eigenen Marke auf Aussprechbarkeit achten
  • Für Bing optimieren, da Alexa, Siri und Cortana Bing als Datenlieferant dient
  • In der Sprachsuche zählt nur noch Position 1 und 2 (durch Wiederholung bei Falscheingabe), Platz drei und darunter zählen nicht mehr.
  • Nicht nur für Google/Bing, sondern für möglichst viele Suchsysteme optimieren. Als Beispiel diente Yelp.
  • Semantische Auszeichnung beachten, um strukturierte Daten zu liefern. Suchmaschinen lieben strukturierte Daten
  • Bewertungen auf den Portalen der Datenlieferanten generieren (Rankingfaktor!)
  • Kurze Produkttitel verwenden (Man teste einmal „leise Bohrmaschine“ bei Alexa 😉 )
  • Tooltipp: echosim.io zum Testen von Alexa ohne weitere Hardware

Nils Kattau – Mehr Conversions, User Signals und UX

Ein weiterer toller Vortrag wurde durch Nils Kattau beigesteuert. Er zeigte uns diverse Fallstricke und Lösungsansätze aus dem Bereich der Conversion Optimierung. Diejenigen, die mit der Materie noch nicht gut vertraut sind, werden an einigen Stellen sicherlich an die eigenen Websites gedacht haben und Optimierungspotenzial aus dem Vortrag mitgenommen haben.

Hier ein paar seiner Tipps:

  • Bezeichnung der Formularfelder nicht innerhalb des Texteingabefelds, da diese dann nicht mehr sichtbar ist, sobald etwas ausgefüllt wurde. Insbesondere problematisch beim automatischen Ausfüllen der Forms via Chrome etc.
  • Beim A/B-Testing immer nur an einer Stellschraube drehen, andernfalls lassen sich keine eindeutigen Rückschlüsse ziehen, welche Veränderung welchen Effekt hatte
  • Vorteilskommunikation und Einwandbehandlung (Einwände: Zeit, Komplexität, Datensicherheit etc) beachten. Klar kommunizieren, was zu welchem Zweck getan werden soll.
  • Tipp: Shares-Counter auf Websites zählen Kommentare mit, somit kann man recht leicht die Anzahl der Shares erhöhen
  • Den Zusammenhang genutzter Bilder zum Angebot der Website abstimmen.
  • Bilder werden 80x schneller erfasst als Text
  • Beim Fließtext beachten, dass die ersten Wörter (in abnehmender Stärke) sowie die letzten Wörter als erstes vom Gehirn erfasst werden
  • Mouse-Tracking entspricht zu 80% den Ergebnissen des Eye-Trackings, ist jedoch ungleich günstiger und einfacher zu realisieren

John Müller – Q&A

John Müller von Google stand zu einer offenen Fragenrunde zur Verfügung. Wer ihn kennt, weiß, dass er wie seinerzeit Matt Cutts und weitere hochrangigen Search Quality Teammitglieder Fragen oft nur sehr vage und vorsichtig beantwortet. In einigen Fällen ist das aus Google-Sicht verständlich. In anderen ist es das weniger. Die Q&A-Runde machte da erwartungsgemäß leider keine Ausnahme, weswegen nur relativ wenig gesicherte Informationen durchsickerten. Ein paar Notizen gibt es aber dennoch:

  • Responsive content sollte über CSS gesteuert werden, dann indexiert Google alle Varianten
  • Länderzuordnung ist für Google bei ccTLD-Nutzung leichter und verbessert Usersignale (Anmerkung: Gemeint ist vermutlich das größere Vertrauen der Nutzer in ccTLDs des eigenen Landes.)
  • Links bleiben weiterhin wichtig

Nach diesem anspruchsvollen Tag mit seinen vielen interessanten Sessions ging es dann noch zur Afterparty ins Kavalierhaus – eine schon äußerlich nicht zuletzt durch die Außenbeleuchtung erhabene Location. Genutzt hat die Gelegenheit zum Networking ein guter Teil der Konferenzbesucher. Ein gelungener Ausklang!

Fazit

Von Jahr zu Jahr wird die SEOkomm noch ein Stück perfekter, detailverliebter (z.B. Sitzkissen mit OMX-Logo 😀 ), strukturierter, abwechslungsreicher, anspruchsvoller und nicht zuletzt auch größer. Zu meckern gibt es nichts, da muss man schon lange suchen. Achja, dieser lila Kartoffelstampf, der darf gerne nochmal überdacht werden. Aber wenn das die einzige Kritik ist, dann hat da wohl jemand einen guten Job gemacht. Wir freuen uns, auch 2018 wieder dabei zu sein, wenn Uschi und Oliver Hauser sicherlich wieder zur SEOkomm nach Salzburg einladen werden.

Weitere Recaps

Thorsten ist seit 2011 in verschiedenen Funktionen für ISA Media tätig. Nach langjähriger Selbstständigkeit und Studium der Wirtschaftsinformatik sowie BWL beschäftigt er sich seit 2009 mit Online-Marketing-Themen.

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